Märtyreraltar
ca. 1520, Lindenholz

Der Märtyreraltar ist ein Schnitzaltar mit einem Gehäuse aus Fichtenholz, die als Flach- oder Halbrelief ausgeführten Figuren des Schreins und der Flügel wurden aus Lindenholz geschnitzt.
Der Mittelschrein ist 174 cm hoch und 123 cm breit.
Er zeigt als Halbrelief die Legende um Achatius von Armenien, wonach zum Christentum übergetretene Römer von einem Felsen zu Tode gestürzt wurden.
Die Flügelinnenseiten zeigen Halbreliefs von Maria mit dem Jesusknaben und den Evangelisten Johannes. Mittelschrein und Flügelinnenseiten sind oben jeweils mit Rankenbaldachinen verziert.
Die Außenseiten der Flügel zeigen als Halbreliefs links Christopherus und rechts Sebastian.
Die Innenflügel wiesen einst wohl ähnlich aufwändiges Blattwerk wie der Mittelschrein auf.
Auf den Standflügeln sind Halbreliefs von Katharina (links) und Barbara (rechts) zu sehen.
Vom einstmals wohl aufwändigeren Gesprenge hat sich im Altarauszug eine als Vollfiguren ausgebildete Kreuzigungsgruppe erhalten.
Auf der Predella ist rechts neben einer als Reliefschnitzerei aufgebrachten Anna selbdritt eine kniende Stifterin in derselben Manier dargestellt, an der Fehlstelle links fehlt die korrespondierende Stifterfigur.
Auffällig am Altar ist der Kontrast der bewegten Szene im Mittelschrein, die an ein von Albrecht Dürer mehrfach wiedergegebenes Motiv angelehnt ist, mit den ruhigen Heiligenfiguren der Flügel, wie er ansonsten in der Umgebung nur selten vorkommt.
Regional üblich wäre stattdessen ein Kontrast von ruhigen Figuren im Schrein und bewegten Szenen auf den Flügeln, wie er z. B. beim Crispinus-und-Eligius-Altar zu sehen ist.
Ebenso außergewöhnlich am Märtyreraltar sind die Halbreliefs auf den Flügelaußenseiten, die ebenfalls keine regionale Entsprechung haben.
Lediglich die Standflügel-Reliefs des Altars in der Bonifatiuskirche in Braunsbach kommen ihnen stilistisch nahe.
Der Altar kann als Fortführung der Techniken von Niclas Gerhaert van Leyden und Tilman Riemenschneider betrachtet werden und ist daher vermutlich in der Zeit um 1520–25 entstanden.
